Flachdacher bieten hervorragende Voraussetzungen fur Solaranlagen - die freie Wahl der Ausrichtung und Neigung ermoglicht eine optimale Konfiguration. Gleichzeitig gibt es einige Besonderheiten zu beachten: Aufstanderung, Windlasten, Dachabdichtung und Gewicht. In diesem Spezialratgeber erfahren Sie alles, was Sie fur eine erfolgreiche Flachdach-Installation wissen mussen.
Ost-West vs. Sud-Aufstellung: Was ist besser?
Bei Flachdachern haben Sie die Wahl zwischen zwei Aufstellungs-Varianten, und die Entscheidung hat grosse Auswirkungen auf Ertrag, Kosten und Nutzung:
Sud-Aufstellung (klassisch)
- Neigungswinkel: 15-30 Grad nach Suden
- Jahresertrag: 100% des theoretischen Maximums
- Produktionsprofil: Hohe Spitze um die Mittagszeit
- Flachennutzung: Geringer, da zwischen den Modulreihen Abstand notig ist (Verschattungsvermeidung)
- Modulbelegung: Ca. 60-70% der Dachflache nutzbar
- Empfohlen fur: Maximalen Jahresertrag, Einspeisefokus
Ost-West-Aufstellung (modern, empfohlen)
- Neigungswinkel: 10-15 Grad nach Osten und Westen (niedrigere Neigung)
- Jahresertrag: 85-95% des Sud-Ertrags (pro Modul)
- Produktionsprofil: Gleichmassiger uber den Tag verteilt, Produktion morgens UND abends
- Flachennutzung: Viel besser! Kein Reihenabstand notig, Module Rucken an Rucken
- Modulbelegung: Ca. 85-95% der Dachflache nutzbar
- Empfohlen fur: Hohen Eigenverbrauch, maximale installierte Leistung
Unsere Empfehlung 2026: Fur die meisten Flachdacher ist die Ost-West-Aufstellung die bessere Wahl. Sie ermoglicht 30-40% mehr installierte Leistung auf derselben Flache, produziert gleichmassiger uber den Tag (ideal fur hohen Eigenverbrauch) und ist durch die niedrigere Neigung weniger windanfallig.
Optimaler Neigungswinkel
Der ideale Neigungswinkel auf dem Flachdach unterscheidet sich je nach Aufstellungsvariante. Bei der Sud-Aufstellung sind 15-25 Grad optimal als Kompromiss zwischen Ertrag und Reihenabstand. Steilere Winkel bringen etwas mehr Winterertrag, brauchen aber mehr Abstand und Flache. Bei der Ost-West-Aufstellung sind 10-15 Grad optimal. Die flachere Neigung reduziert Windlasten und ermoglicht die dichteste Modulbelegung.
Montagesysteme fur Flachdacher
Ballastierte Systeme (Standard)
Die Module werden auf aerodynamisch geformte Wannen oder Schienen gelegt und mit Betonplatten oder Steinen beschwert. Keine Durchdringung der Dachhaut notig.
- Gewicht: 12-18 kg/m2 (Module + Ballast)
- Vorteile: Keine Durchdringung der Dachabdichtung, einfache Montage, reversibel
- Nachteile: Hohes Gewicht, Tragfahigkeit des Dachs muss gepruft werden
- Produkte: K2 Systems Dome, Schletter FixGrid, Renusol ConSole
Befestigte Systeme
Die Unterkonstruktion wird direkt am Dach verschraubt (in die Tragkonstruktion, nicht nur in die Abdichtung). Gewicht 8-12 kg/m2, sicherer bei hohen Windlasten, aber Durchdringung der Dachhaut notig.
Tragfahigkeit prufen
Vor jeder Flachdach-Installation muss ein Statiker die Tragfahigkeit des Dachs prufen. Das typische Zusatzgewicht von 12-18 kg/m2 ist fur die meisten Betondecken kein Problem, kann aber bei leichten Holz- oder Stahlkonstruktionen kritisch sein. Die Statik-Prufung kostet CHF 500-1'500.
Wind- und Schneelast in der Schweiz
Flachdacher sind besonders windanfallig, da der Wind unter die Module greifen kann. In der Schweiz gelten je nach Standort und Gebaudehohe unterschiedliche Windlastzonen (SIA 261). Massnahmen: Ausreichend Ballast, Windleitbleche, Abstand vom Dachrand (mind. 0.5-1 m), und niedrigere Neigungswinkel zur Reduktion der Windangriffsflache.
Die Schneelast ist je nach Region und Hohenlage erheblich. Bei niedrig aufgestanderten Ost-West-Modulen kann sich Schnee im Tal zwischen den Modulen ansammeln. Die Schneelast muss in die statische Berechnung einfliessen, besonders ab 800 m u.M.
Kosten: Flachdach vs. Schragdach
Eine Flachdach-Installation kostet typischerweise 10-20% mehr als eine Schragdach-Installation gleicher Grosse. Die Mehrkosten entstehen durch Aufstanderung/Montagesystem (+CHF 1'000-2'500), Ballast (+CHF 500-1'000), Statik-Gutachten (+CHF 500-1'500) und Dachdurchfuhrungen (+CHF 200-500).
Fur eine typische 10-kWp-Anlage auf dem Flachdach rechnen Sie mit CHF 21'000-26'000 (vs. CHF 18'000-22'000 auf dem Schragdach). Die Mehrkosten amortisieren sich aber oft durch die bessere Ausrichtungsmoglichkeit und hohere installierbare Leistung. Mehr zu den Kosten in unserem PV-Kosten-Ratgeber.
Kombination Grundach + Solar
Eine spannende Option fur Flachdacher ist die Kombination von Dachbegrunung und Solaranlage. Die Begrunung kuhlt das Dach und damit die Module (ca. 3-5% Mehrertrag), erfullt kommunale Anforderungen an Regenwasserbewirtschaftung, fordert Biodiversitat und das Substrat dient teilweise als Ballast fur die Module. Spezielle Montagesysteme gibt es z.B. von Optigrun (SolarGrun) oder ZinCo (SolarVert). Die Mehrkosten betragen CHF 40-80/m2.
Wartung und Reinigung
Flachdach-Anlagen erfordern etwas mehr Wartung als Schragdach-Anlagen. Durch die flachere Neigung reinigen sich die Module weniger gut durch Regen. Eine jahrliche Reinigung kann den Ertrag um 3-5% steigern (Kosten: CHF 200-500). Prufen Sie regelmasig die Entwasserung und kontrollieren Sie bei Grundach-Kombinationen auf Unkraut, das die Module verschatten konnte.
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Flachdacher sind fur Solaranlagen hervorragend geeignet. Die freie Wahl der Ausrichtung und die Moglichkeit einer dichten Ost-West-Belegung machen sie sogar oft besser als Schragdacher. Die Mehrkosten von 10-20% werden durch die optimale Konfiguration kompensiert. Achten Sie auf eine sorgfaltige Statik-Prufung, wahlen Sie ein bewahrtes Montagesystem und prufen Sie die attraktive Option einer Grundach-Solar-Kombination.