Sie wohnen zur Miete und möchten trotzdem von Solarstrom profitieren? Das ist möglich! In der Schweiz gibt es mehrere Wege, wie Mieterinnen und Mieter Solarenergie nutzen können: vom Balkonkraftwerk über den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) bis hin zu Community-Solar-Projekten. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über Ihre Möglichkeiten, die rechtliche Situation und ob sich die Investition lohnt.
Option 1: Balkonkraftwerk (Plug-in-Solar)
Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine, steckerfertige Solaranlage, die Sie am Balkongeländer, an der Fassade oder auf der Terrasse montieren. Die Module werden über einen Mikro-Wechselrichter direkt an eine Haushaltssteckdose angeschlossen und speisen Strom direkt in Ihren Stromkreis ein.
Technische Eckdaten
- Maximale Leistung in der Schweiz: 600 Watt Wechselrichterleistung (AC-seitig). Die Modulleistung darf höher sein (z.B. 2x 420 Wp = 840 Wp, der Wechselrichter begrenzt auf 600W).
- Typische Konfiguration: 1-2 Module (je 380-420 Wp) + 1 Mikro-Wechselrichter (600W)
- Jahresertrag: Ca. 400-650 kWh je nach Standort und Ausrichtung
- Anschluss: Einfach in eine Haushaltssteckdose (Schuko oder T13) einstecken
- Installation: Keine Fachkraft nötig, Plug-and-Play
Kosten und ROI
- 1 Modul (400 Wp) + Wechselrichter + Halterung: CHF 500-800
- 2 Module (800 Wp) + Wechselrichter + Halterung: CHF 800-1'200
- Jährlicher Ertrag: ca. 500-600 kWh (2-Modul-System)
- Jährliche Einsparung: ca. CHF 150-200 (bei CHF 0.30/kWh Strompreis)
- Amortisation: ca. 4-7 Jahre
- Lebensdauer: 25+ Jahre
Rechtliche Situation in der Schweiz
Die rechtliche Situation für Stecker-Solaranlagen in der Schweiz hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert:
- Gesetzlich erlaubt: Plug-in-Solaranlagen bis 600W sind in der Schweiz erlaubt und müssen lediglich beim lokalen Netzbetreiber gemeldet werden.
- Meldepflicht: Eine einfache Meldung beim Verteilnetzbetreiber ist erforderlich. Die meisten Netzbetreiber haben dafür ein Online-Formular.
- Vermieter: Grundsätzlich empfehlen wir, den Vermieter zu informieren, auch wenn es keine gesetzliche Pflicht ist. Eine Montage am Balkongeländer kann als bauliche Veränderung gelten.
- Rückbau: Beim Auszug müssen Sie die Anlage wieder entfernen. Stecker-Solar-Systeme sind dafür ideal, da sie rückstandsfrei demontiert werden können.
Montage-Optionen
- Balkongeländer (aussen): Spezielle Halterungen für Geländer. Günstig und effektiv. Achten Sie auf die Windlast!
- Balkongeländer (innen): Module hinter dem Geländerglas aufgestellt. Weniger Ertrag durch Glas, aber unauffälliger.
- Fassade: Wandmontage mit Aufständerung. Guter Winterertrag durch steile Ausrichtung.
- Terrasse/Garten: Aufständerung auf dem Boden. Flexible Ausrichtung möglich.
- Flachdach (wenn zugänglich): Optimal, aber Genehmigung des Vermieters nötig.
Option 2: Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV)
Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) ist eine Schweizer Besonderheit, die es Mietern ermöglicht, von einer Solaranlage auf dem Dach ihres Mietshauses zu profitieren. Seit der Revision des Energiegesetzes ist der ZEV gesetzlich verankert (EnG Art. 17-18).
Wie funktioniert ein ZEV?
- Der Vermieter (oder eine Energiedienstleistungsfirma) installiert eine Solaranlage auf dem Dach des Mehrfamilienhauses
- Alle teilnehmenden Mietparteien bilden einen Zusammenschluss
- Ein interner Zähler misst den Verbrauch jeder Wohnung
- Der Solarstrom wird intern verteilt – jeder Mieter erhält anteilig Solarstrom
- Nur der Reststrom wird aus dem öffentlichen Netz bezogen
- Der Solarstrom muss günstiger sein als der normale Netzstromtarif
Vorteile für Mieter
- Günstigerer Strom: Der interne Solarstrompreis liegt typischerweise 10-20% unter dem Netztarif
- Keine eigene Investition: Der Vermieter oder Contractor trägt die Kosten
- Kein Aufwand: Kein Installationsaufwand für den Mieter
- Höherer Eigenverbrauch: In einem MFH wird mehr Strom direkt verbraucht als in einem EFH
So schlagen Sie Ihrem Vermieter einen ZEV vor
- Informieren Sie sich: Berechnen Sie das Potenzial des Dachs mit dem Solar-Rechner
- Sammeln Sie Unterstützung: Gewinnen Sie andere Mieter als Befürworter
- Erstellen Sie ein Argumentarium: Wertsteigerung der Immobilie, Mieterzufriedenheit, Förderungen, passive Einnahmen für den Vermieter
- Schlagen Sie einen Contractor vor: Firmen wie Helion, Solarville oder lokale EVUs übernehmen Planung, Installation und Abrechnung. Der Vermieter muss kein Risiko tragen.
Option 3: Community Solar / Solargenossenschaft
Wenn weder Balkonkraftwerk noch ZEV möglich sind, können Sie über Community-Solar-Projekte in Solarenergie investieren:
- Solargenossenschaften: Kaufen Sie Anteile an einer grösseren Solaranlage. Beispiel: Genossenschaft Sunraising, Solarify. Ab CHF 250 pro Anteil.
- Bürgerbeteiligung: Einige Energieversorger bieten Beteiligungsmodelle an, bei denen Sie Anteile an einer kommunalen Solaranlage erwerben.
- Solarstrom-Abo: Kaufen Sie gezielt Solarstrom von Ihrem Energieversorger (Ökostrom-Produkt). Kostet typischerweise 1-3 Rp/kWh Aufpreis.
Vergleich der Optionen
- Balkonkraftwerk: Eigene Investition CHF 500-1'200, Einsparung CHF 150-200/Jahr, Amortisation 4-7 Jahre, Eigeninitiative nötig, portabel bei Umzug
- ZEV: Keine eigene Investition, 10-20% günstigerer Strom, abhängig vom Vermieter, beste Lösung für MFH
- Community Solar: Ab CHF 250, symbolischer Beitrag, kein direkter Kosteneffekt auf Stromrechnung, aber Unterstützung der Energiewende
Tipps für das Gespräch mit dem Vermieter
Wenn Sie ein Balkonkraftwerk installieren oder einen ZEV anregen möchten, helfen diese Argumente:
- Wertsteigerung: Eine Solaranlage steigert den Wert der Immobilie um 3-5%
- Mieterzufriedenheit: Günstigerer Strom = zufriedenere Mieter = geringere Fluktuation
- Förderungen: Der Vermieter erhält die EIV-Förderung und kann die Kosten von den Steuern abziehen
- Contractor-Modell: Kein Risiko und kein Aufwand für den Vermieter, wenn ein Contractor die Anlage finanziert und betreibt
- Solarpflicht: Bei grösseren Renovationen oder Dachsanierungen kann ohnehin eine Solarpflicht greifen
- Rückstandsfreie Demontage: Beim Balkonkraftwerk versichern Sie dem Vermieter, dass kein Schaden entsteht
Solar-Potenzial Ihres Gebäudes berechnen
Zeigen Sie Ihrem Vermieter, wie viel Potenzial auf dem Dach steckt.
Jetzt berechnen →Fazit: Auch als Mieter können Sie Solar nutzen
Die Zeiten, in denen Solarenergie nur Hausbesitzern vorbehalten war, sind vorbei. Mit einem Balkonkraftwerk für CHF 500-1'200 können Sie als Mieter sofort loslegen und CHF 150-200 pro Jahr sparen. Der ZEV bietet für Mehrfamilienhäuser die beste Lösung mit günstigerem Strom für alle Mieter. Sprechen Sie Ihren Vermieter an – die Argumente für Solar sind überzeugend, und die Contractor-Modelle nehmen dem Vermieter jedes Risiko ab.