Eine der häufigsten Fragen von Solarinteressenten: Wie viel Strom produziert eine Solaranlage im Winter? Die Antwort überrascht viele: Auch in den dunkleren Monaten liefert Ihre Anlage wertvollen Strom, und in bestimmten Regionen der Schweiz sogar erstaunlich viel. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die realen Wintererträge, den Einfluss von Schnee und Kälte und wie Sie die Winterproduktion maximieren können.
Monatliche Ertragsverteilung einer 10-kWp-Anlage im Mittelland
Die Solarproduktion verteilt sich über das Jahr alles andere als gleichmässig. Hier die typische monatliche Verteilung für eine 10-kWp-Anlage im Schweizer Mittelland (Jahresertrag ca. 10'000 kWh):
- Januar: 350 kWh (3.5%) - Kürzeste Tage, oft Nebel im Mittelland
- Februar: 550 kWh (5.5%) - Tage werden länger, erste Sonnentage
- März: 850 kWh (8.5%) - Deutlicher Anstieg, Frühling spürbar
- April: 1'100 kWh (11%) - Starke Produktion, lange Tage
- Mai: 1'300 kWh (13%) - Spitzenmonat (lange Tage, moderate Temperaturen)
- Juni: 1'350 kWh (13.5%) - Höchster Ertrag, längster Tag am 21.6.
- Juli: 1'400 kWh (14%) - Spitzenmonat (heiss, aber lang)
- August: 1'200 kWh (12%) - Immer noch sehr gut
- September: 900 kWh (9%) - Herbstbeginn
- Oktober: 550 kWh (5.5%) - Merklich kürzer
- November: 300 kWh (3%) - Nebelsaison im Mittelland
- Dezember: 250 kWh (2.5%) - Minimum
Winterhalbjahr (Oktober-März): ca. 2'850 kWh = 28.5% des Jahresertrags
Sommerhalbjahr (April-September): ca. 7'150 kWh = 71.5% des Jahresertrags
Der Schnee-Effekt: Problem und Chance
Schnee auf den Modulen
Schnee auf den Modulen blockiert die Produktion teilweise oder vollständig. Allerdings ist der Effekt in den meisten Fällen weniger dramatisch als befürchtet:
- Dünne Schneeschicht (1-3 cm): Taut auf geneigten Modulen (ab 15°) innerhalb von Stunden durch die dunkle Oberfläche und die Eigenwärme der Module ab
- Dicke Schneeschicht (10+ cm): Kann 1-3 Tage auf den Modulen liegen bleiben. Bei geneigten Modulen rutscht der Schnee aber meist ab, sobald die unterste Schicht antaut.
- Flachdach-Module (10-15°): Schnee bleibt länger liegen, manuelles Abfegen kann sinnvoll sein
- Gesamtverlust durch Schnee im Mittelland: Nur ca. 2-5% des Jahresertrags
Der Albedo-Effekt: Schnee als Booster
Was viele nicht wissen: Schnee auf dem Boden reflektiert Sonnenlicht und erhöht den Ertrag! Frischer Schnee reflektiert bis zu 80% des Lichts (Albedo 0.8). Bei bifazialen Modulen kann dieser Effekt den Ertrag um 15-25% steigern. Selbst bei einseitigen Modulen kommt mehr diffuses Licht an die Zellen.
Kälte = Mehr Leistung
Ein oft übersehener Vorteil des Winters: Solarmodule arbeiten bei Kälte effizienter. Der Temperaturkoeffizient liegt bei -0.3 bis -0.4% pro Grad Celsius über 25°C (Standardtestbedingungen). Das bedeutet:
- Sommer (Modultemperatur 65°C): ca. 12-16% Leistungsverlust durch Hitze
- Winter (Modultemperatur 5°C): ca. 6-8% Leistungsgewinn durch Kälte
An einem klaren, kalten Wintertag mit Schnee und blauem Himmel kann eine Anlage kurzzeitig sogar mehr als die Nennleistung produzieren! Der Wechselrichter begrenzt dann auf die maximale Eingangsleistung.
Mittelland vs. Alpen: Der grosse Vergleich
In der Schweiz gibt es massive regionale Unterschiede bei der Winterproduktion:
Mittelland (400-600 m ü.M.)
- Winterhalbjahr-Anteil: 25-30% des Jahresertrags
- Problem: Hochnebel von November bis Februar kann die Produktion stark einschränken
- Jahresertrag: 900-1'050 kWh/kWp
Voralpen und Alpen (1'000-2'000 m ü.M.)
- Winterhalbjahr-Anteil: 30-40% des Jahresertrags
- Vorteil: Über der Nebelgrenze! Klare Luft, intensive Sonneneinstrahlung, Schneereflexion
- Jahresertrag: 1'100-1'500 kWh/kWp (bis 50% mehr als im Mittelland!)
Alpine Solaranlagen können im Winter pro kWp doppelt so viel produzieren wie Anlagen im nebelbelasteten Mittelland. Das hat die Schweizer Politik dazu bewogen, alpine Gross-Solaranlagen besonders zu fördern (Winterstrom-Initiative).
Winterstrom-Bonus und Politik
Die Schweiz hat erkannt, dass Winterstrom das grosse Problem der Energiewende ist. Massnahmen 2026:
- Erhöhte EIV für Winterstrom-Anlagen: Solaranlagen über 150 kWp mit einem Winterstromanteil über 45% erhalten eine erhöhte Einmalvergütung
- Beschleunigte Bewilligung: Alpine Solaranlagen von nationalem Interesse profitieren von vereinfachten Bewilligungsverfahren
- Fassadenanlagen: Produzieren dank steilem Winkel mehr Winterstrom und werden in einigen Kantonen zusätzlich gefördert
Tipps zur Maximierung des Winterertrags
- Steilere Neigung wählen (30-45°): Ein steilerer Winkel fängt den niedrigen Sonnenstand im Winter besser ein und lässt Schnee schneller abrutschen
- Ost-West-Aufstellung: Produziert gleichmässiger über den Tag und bringt in Summe etwas mehr Winterertrag als reine Südausrichtung
- Bifaziale Module verwenden: Profitieren von der Schneereflexion und bringen im Winter 10-20% Mehrertrag
- Optimierer oder Mikrowechselrichter: Minimieren den Einfluss von Teilverschattung durch Schneereste auf einzelnen Modulen
- Batterie im Winter anders managen: Laden Sie die Batterie an sonnigen Wintertagen voll und nutzen Sie den Strom für den deutlich höheren Abendverbrauch (Licht, Heizung)
- Wärmepumpe mit PV koppeln: Nutzen Sie jeden Sonnenstrahl zum Heizen, auch wenn die Produktion gering ist
Wie viel Winterstrom produziert Ihr Dach?
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Jetzt berechnen →Fazit: Winter ist kein Grund gegen Solar
Ja, Solaranlagen produzieren im Winter weniger als im Sommer. Aber sie produzieren keineswegs nichts: Im Winterhalbjahr liefert Ihre Anlage immer noch rund 30% des Jahresertrags. In den Alpen sogar deutlich mehr. Und jede selbst produzierte kWh im Winter ist besonders wertvoll, da die Strompreise in der kalten Jahreszeit höher sind. Die Amortisationsrechnung berücksichtigt ohnehin die Jahresproduktion, und die ist in der Schweiz mit 900-1'100 kWh/kWp hervorragend.